Selen. 

Sie war meine beste Freundin. Vom Grundschulalter an haben wir viele Stunden zusammen verbracht. In der Schule, zu Hause bei unseren Eltern, draußen. Vor der Schule kam sie bei mir vorbei, wir haben die Olympischen Spiele geschaut und sind anschließend in die Schule geradelt. Wir haben zusammen Reitunterricht genommen. Die vielen Sommerstunden, die wir mit den anderen am Fluss verbracht haben, gegrillt, Musik gehört, gelacht. Sie kannte mein größtes Geheimnis.

Das vermisse ich sehr. Ich vermisse sie. Seit nun sechs Jahren haben wir keinen Kontakt mehr und manchmal tut es einfach nur weh. Es tut weh, weil sie mich hat einfach sitzen lassen in einem fremden Land, an einem fremden Ort, an den ich nur geflogen bin, um sie wiederzutreffen. Ich kann mich daran erinnern, wie traurig ich war, als sie geschrieben hat, dass wir uns nicht sehen werden. Dass sie weiter muss, da sie einen neuen Job hat. Mein Herz hat sich angefühlt, als wäre es in tausend Teile zersprungen. Ich konnte mir davor nie vorstellen, wie es weh tut, wenn man verlassen wird. Aber sie hat es geschafft. 

Ich vermisse unsere stundenlange Telefonate, dass wir zusammen bei dem jeweils anderen Mittagsschlaf gemacht haben. Zusammen durch Tumblr scrollen, ohne den Blog des anderen zu kennen. Wir konnten so gut zusammen allein sein.

Meine beste Freundin. Ich werde sie immer vermissen.
Hat ihr denn unsere Freundschaft nichts bedeutet? War sie der Schlussstrich unter meiner traurigen Schulzeit? War sie der Teil meines Lebens, von dem ich mich trennen musste, um glücklich(er) zu werden? Die Schwelle von meinem alten zu meinem neuen Leben? Manchmal fühlt es sich danach an. 

Ich wünschte, sie wäre nie gegangen.



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