Nostalgie

Und an manchen Tagen fühlt sich alles so schwer an. So schwer, dass es mich herunter zieht. So schwer, als ob hunderte von Steinen mich an den Meeresgrund fesseln.
Es fühlt sich an wie eine Welle voller Emotionen, die ungehalten auf mich zu rollt. Alte und neue Gefühle prasseln auf mich ein. Gefühle, die mich erschrecken, denn ich dachte, sie sind nicht mehr da. Ich spüre meinen Herzschlag, spüre das Pulsieren in meinem Körper. Die Angst ist wieder da. War sie je vollkommen weg? Hat sie sich nur versteckt? 

Mein Ekel, meine Abneigung vor mir selbst ist wieder da. Ich spüre sie, wie sie sich unter meiner Haut breit macht. Besitz ergreift. Gedanken von früher kommen auf. Ich kann nichts gegen sie tun. Es ist wie ein Schwall, der ungebremst auf mich zu rast und mich überschwemmt. 

Ich möchte fliehen.

Und an manchen Tagen vermisse ich die Einsamkeit. Das Gefühl, mich niemandem erklären zu müssen. Dass ich meine Gefühle an mir auslassen kann, ohne dass es jemand sieht. Dieser spitze Schmerz, der in der Sekunde so befreiend gewirkt hat. Ein Ventil. Meine Kontrolle über mich. Das Rot zu sehen, zu fühlen wie es wehtut. Wie gerne würde ich in diesem Moment in alte Muster zurückfallen. Mich treiben lassen von meiner blinden Wut auf mich selbst, nur um es später zu bereuen aber irgendwie auch nicht.

Und in manchen Stunden fehlt mir die Traurigkeit. Die Traurigkeit, die sich um mich gelegt hat wie eine warme Decke. Die, die immer da war. Wer bin ich, wenn ich nicht traurig bin?

Und selten, ganz selten, fehlt mir das Alleinesein. Die Freiheit mir keine Sorgen um dich zu machen. Meine Worte nicht zu überdenken. Etwas machen, ohne einen Gedanken an potenzielle Katastrophen zu verschwenden. Die eigenen vier Wände verlassen zu können, während alles innen leuchtet. Mich schlafen zu legen ohne nachzudenken, ob diverse Schalter umgelegt sind und Stecker auf dem Boden liegen. Unbeschwerte Abenteuer zu erleben. 

Ich vermisse das alte Ich und mir fehlt dein altes Du.



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