Gelangweilt betrachte ich das Glas mit Cola, in dem kleine Blasen aufsteigen und zähle sie. Währenddessen lausche ich dem Gespräch meiner und Leikas Mutter. "Das Schwimmbad war so schön leer, und das Fitnessstudio war klein, aber da gab es ein Laufband und ...", erzählt Anita von ihrem Skiurlaub. Mein Blick wandert hin und her, mit meinen Fingern trommle ich leise auf der kalten Marmorplatte herum und blicke hinauf zur Uhr. Eine Tür knallt zu, Füße trippeln auf dem flauschigen Teppich. "Hallo Mami!", quietscht Leika vergnügt, umarmt Anita und drückt ihr einen Kuss auf die Wange. Sie strahlt mich an, wobei ich nicht verstehe wieso sie das tut. Ich lächle schwach zurück und wende mich wieder dem Glas zu. "Mama, gehen wir bitte?", fange ich leise an zu quengeln, als ich Pahea von weitem rufen höre: "Leika, ich geh' Toilette." Aha, kann man schon kein anständiges Deutsch mehr?, denke ich bissig. Sie hat uns nicht gesehen, glücklicherweise. Ich will sie nicht sehen, kann sie auch nicht sehen. Vielleicht breche ich in Tränen aus, vielleicht grüße ich sie und belasse es einfach dabei. "Kaum daheim, und schon bist du am Fressen.", stelle ich lachend fest. "Lass mich doch, ich hab heute noch nichts gegessen.", antwortet Leika trotzig und mit vorgeschobener Unterlippe, dann beißt sie in einen Fleischball. Angewidert verziehe ich mein Gesicht. Sie wird immer fetter, fetter, fleischiger, wie dieser Ball den sie sich in den Mund steckt. "Hallo A-ni-ta", sagt Pahea, als sie die Küche betritt und zieht den Namen eigenartigerweise in die Länge, als ob sie mir sagen will, dass ich unerwünscht bin. Uns ignoriert sie völlig. Als Pahea die Treppen wieder hochtänzelt, werfe ich meiner Mutter einen vielsagenden Blick zu. Sie nickt nur und ich zähle weiter die Blasen im Glas, die allmählich weniger werden. Mir bleibt nicht anderes übrig, als dem Gespräch zu folgen, das sich nun um die Hochzeit im Sommer handelt. Kleider, freie Haut, wunderbar, denke ich ironisch. "Mama..?", fange ich genervt an. "Ja, wir gehen ja schon. Ich will eh schlafen. Also mach's gut, Anita, wir telefonieren...", verabschiedet sie sich endlich. Hastig greife ich meine braune Daunenjacke, welche mich fett erscheinen lässt wie einen Elefanten, und trete raus auf die Treppe, gefolgt von meiner Mutter. Kaum ist die Tür mit den zerbrochenen Scheiben ins Schloss gefallen, fängt sie an. "Also so etwas unfreundliches habe ich ja noch nicht erlebt, dumme Bitch!" Lachend stimme ich ihr zu. Was bildet die sich ein?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen