#2

Ich komme gerade aus der Badewanne. In ein Handtuch gewickelt setze ich mich auf unsere Couch und schaue nach meinen SMS. Natürlich niemand. Gerade als ich dabei bin, meine Haare trocken zu rubbeln, fängt mein Handy an zu klingeln. Ein Anruf in Abwesenheit. Von dir. Ich denke nicht nach und rufe zurück.
"Ja?" Wie schön deine Stimme zu hören. "Hey, du hattest angerufen?" "Ich wollte dich fragen was du machst." "Nichts, warum?" Mein Herz geht schneller. "Ich bin mit einem Freund in der Stadt. Möchtest du herkommen?" "Ehm, klar. Wenn ich jemanden mitbringen darf?" "Wen denn?" "Pahea." "Okay. In einer halben Stunde bist du hier." Ich liebe es, wenn du einfach so bestimmst. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als Pahea anzurufen, und ihr zu sagen, sie solle sich fertigmachen. Zwanzig Minuten später sitze ich im Auto. Mein Herz schlägt schneller. Als wir vor dem Einkaufscenter stehen, rufe ich dich an. Du sagst: "Wir sitzen draußen. Ich bin der im orangen T-Shirt. Also nicht zu übersehen." Wir drängeln uns durch die Menschenmasse zu den Bänken. Da sehe ich dich. Drei Monate haben wir uns nicht gesehen. Du umarmst mich. Mein Herz tanzt. Dann stellst du uns deinem Freund vor: Filip! Wir wechseln alle ein paar Worte, dann schlendern wir durch die Straßen. Ihr wollt euch was zu trinken holen, geht in den nächsten Supermarkt. Wir gehen in die daneben gelegene Drogerie. Nach zwanzig Minuten sitzen wir auf einer Treppe. "Wollen wir runter ans Ufer?", fragst du. Pahea und ich schauen uns an und nicken. Wir setzen uns auf Steintreppen, welche ins Wasser führen. Links und rechts von uns spazieren Enten herum, mit gruseligen, orangefarbenden Augen. Ich quietsche, und rücke ein Stück hinter. Ihr lacht. Ich habe dich lange nicht mehr lachen gesehen und gehört. Wir machen Witze über die "Killerenten". Dann herrscht Schweigen. Filip meint: "Was wollen wir machen? Ihr schweigt, wir schweigen." "Das machst du doch immer, nicht wahr Kalea?", erwiderst du schmunzelnd. "Was soll ich denn sagen?" Darauf wissen alle nichts zu antworten. Ich kann dir nicht einfach mal sagen, dass ich in dich verliebt war und geweint habe wegen dir. Dass ich die Nächte lang wach gelegen habe. Dass ich Tage darauf gewartet habe, dass du endlich on kommst. Nein, das kann ich dir nicht sagen.
Pahea und ich bringen euch runter zu der S-Bahn. Gemeinsam warten wir, machen uns über ein paar Menschen lustig und schauen uns an. Die S-Bahn fährt ein, du umarmst Pahea, dann mich. Ich merke, wie sehr ich dich vermisst habe. "War schön, euch kennengelernt zu haben!", sagt Filip. Ja, das fand ich auch. Ich schaue euch nach, wie ihr einsteigt. Und erst als wir im Bus, auf dem Weg nach Hause, sitzen, fällt mir auf, wie oft ich gelächelt habe. Daraufhin muss ich lachen. "Alles okay?", fragt mich Pahea. "Ja, alles bestens, Schatz!", antworte ich, immer noch lachend. Zu Hause angekommen, sitzen Pahea, Leika, ihr Freund Patricio, und ich auf der Couch. Patricio küsst Leika, und ich unterdrücke ein schmerzhaftes Gefühl. Dich zu sehen war schön, hat aber Gefühle aufgewirbelt. Nicht gerade leicht. Genervt von den beiden nehme ich mir mein Buch, und versuche mich darauf zu konzentrieren. Zwecklos. Ich gehe hoch, in eins der vielen Zimmer. Bei dem Gedanken, dass Patricio heute bei uns schläft, wird mir unwohl, aber solange Leika glücklich ist soll mir das recht sein. Irgendwann morgends falle ich einen leichten, unruhigen Schlaf.

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