#36

"Das war aber nichts, Kalea!", sagt meine Chemielehrerin mit einem fiesen Schmunzeln im Gesicht und gibt mir meine Arbeit. Ich schaue auf die Note, verdrehe die Augen und stecke den Zettel zwischen bekritzelte Seiten in meinem Block. "Ich bin ja so froh, dass ich noch die vier kriege, Gott sei Dank!", meint Rina, ich weiß nicht mit wem sie redet, aber ich nicke ihr einfach zustimmend zu. "Was hast du?", fragt mich Lola. Anstatt zu antworten schüttle ich den Kopf und wende mich ab. "Fünf?" Ich nicke. Tränen schießen in meine Augen, wollen meine Sicht verschleiern, doch blinzle ich sie weg. "Hmm.." Unsere schielende Lehrerin, mit einem Bart wie ein Kerl, steht vorne am Pult und verkündet die vorläufigen Zeugnisnoten. Mit halben Ohr höre ich zu: "Drei, zwei, eins bis zwei, gute vier" Dann bin ich an der Reihe. Meine Hände krampfen sich um den Bleistift, ich male den Tisch voll. Note fünf. "Wir kriegen das hin.", kommt es von Lola. Nein, verdammt. Halt die Klappe, wir kriegen das nicht hin, okay? Hör auf damit, mir so einen Scheiß zu erzählen!, schreie ich sie in Gedanken an. In meinem Kopf wirbelt es, Gedanken fliegen auf, ich vergewaltige mit meinen Zähnen meine Unterlippe. Ich bin die schlechteste Schülerin, ich habe versagt. Jeder ist besser. Es läutet, ich stürme hinaus und renne auf die noch leeren Toiletten. Erst als ich das silberne Ding auf meiner Haut spüre, kann ich durchatmen. Nicht allein mein wiederholtes Versagen bringt mich immer wieder dazu, sondern dass mich meine Freunde ausschließen, nicht mit mir reden. Bedeute ich ihnen etwas? Ich weiß es nicht, werde es wohl nie wissen. Hastig stolpere ich auf den Schulhof, blicke mich um, niemand da. "Egal, hol' ich mir eben Kaffee", denke ich und laufe zum Laden in der Nähe der Schule. Als ich ihn betrete sehe ich sofort Celia, Selen und Carla. "Lea!" "He?" "Wo warst du?" "Toilette." "Ach so." Ja, ach so. Sie stehen in Zweiergruppen da, ich ausgeschlossen. Mit dem Kaffee in der Hand laufen wir zurück. Meine Laune ist mir anzusehen. Die restlichen fünfzig Minuten der Pause verbringe ich damit, mir draußen in der Kälte den Arsch abzufrieren und Musik zu hören. Es wird gelästert und gelacht, und mit jedem Lachen sinkt meine Laune weiter und die Traurigkeit überwiegt immer mehr. Die Kälte zieht an mir, Regentropfen ersetzen meine Tränen als wir in die Sporthalle trotten. Kraftlos ziehe ich mich um, bedacht darauf, dass niemand die neuen Schnitte sieht. "Du bist so still. Ist alles okay?", fragt mich Celia leise. "Nein." "Wieso?" "Keine Ahnung" In der Halle ist es kalt und ich ziehe meinen Pullover über. Während die meisten draußen Fußball spielen, bleibe ich wo ich bin. Ein paar Jungs spielen Basketball, ich bin das einzige Mädchen. Mit dem Gedanken, dass ich im  Weg stehe, verziehe ich mich in die Umkleide. In meinem Kopf herrscht das reinste Chaos, ich weiß nicht wo ich hingehöre oder was ich will. Alles läuft verkehrt, ich stoße Leute von mir weg. Fehler. Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Ich zittere, sinke auf den kalten Boden hinab und mache die Haut frei. Es ist keiner da, der mich aufhalten kann, nichts und niemand.

10 Kommentare:

  1. Wie gut ich dich verstehen kann :o Ich kenne solche Situationen leider auch sehr gut! Stay strong, Liebes! ♥

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  2. Alles, alles kann wieder gut werden!

    Wie verlogen sich das doch anhört. Anhören muss.
    Ach, was solls.

    Sei stark und vertraue. Irgendjemandem. Bitte.

    <3 - Katzenjammer

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    1. Dein Kommentar ist wirklich lieb, aber ich kann einfach nicht vertrauen, schon gar nicht den hinterfotzigen Miststücken in meiner Umgebung.
      Und ja, es hört sich verlogen an, und vielleicht will ich das ja gar nicht, dass alles wieder gut wird. Denn das wird es nie wieder sein.

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  3. Ich versteh wie du dich fühlst. Kopf hoch, solln sie doch tun was sie wollen.
    Und Chemie braucht später keiner mehr ;)

    Alles Liebe
    Ivy

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  4. Chemie ist dumm. Streiche all den Sche*ß aus deinem Kopf. Weißt du, das Leben geht immer vorwärst ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Menschen die nicht so schnell sind und die nicht mitwollen. Aber das heißt es geht weiter, das Leben und das heißt alles verändert sich. Und es verändert sich alles. Schneller als wir denken. Schneller als du denkst wird das Glück zurückkehren. Wenn du bereit zu Veränderung bist.

    Entschuldige diese Sinnlosen Worte.

    Bleib stark, icih denke an dich!

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  5. dein text berührt mich sehr, vorallem den schluss. ich denke an dich, und wünsche dir ganz viel kraft.

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  6. dein text ist wunderschön geschrieben und er erinnert mich an eine ähnliche zeit.
    ich wünsche dir ganz viel glück für die zukunft<3

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  7. jaa nächstes jahr <3 nächstes jahr würd ich für dich auch nen wiederlichen italiener erstechen ich schwöre dir <3 ich freu mich schon so h3h3

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  8. das ist so emotional und ich kann dir das soo gut nachempfinden.
    ich kenn dich zwar nicht , aber ich glaub das du die kraft haben kannst.
    ich wünsch sie dir fjeden fall.

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