#32

"Ich erzähle dir jetzt mal, wieso ich möchte, dass du einen guten Abschluss machst und einen tollen Beruf erlernst, oder vielleicht studierst." Sie erzählt von ihrer Kindheit und wie sie mit elf Jahren arbeiten gehen musste. "Ich suche ja schon nach einem Job, aber ich kann nicht noch mehr machen!", fahre ich dazwischen. "Das meine ich ja gar nicht.", sagt meine Mutter und fährt fort. Von ihrer Schulausbildung und der Arbeit kommt sie zu Leika. "Sie macht wirklich viel Mist in letzter Zeit, ich versteh sie einfach nicht. Schwänzen, nicht lernen, die asozialen Leute.Wenn sie so weitermacht, wird sie wirklich Probleme machen." Alles, was ich schon gehört habe und schon weiß. Meine Sorgen um sie haben Platz gemacht für brodelnde Wut und schäumende Verachtung. "Wieder zur Schule, du sollst etwas werden, und dir keine Sorgen ums Geld machen müssen. Wenn du mit achtzehn dein..." Aber Mama, ich weiß doch nicht was ich in ein paar Jahren machen werde. Ich plane mein Leben bis zu den Sommerferien. Danach erwarte ich nichts. Meine Gedanken kreisen um die Abende, an denen ich alleine bin und davor bin zusammenzubrechen. Nicht um mein Studium, oder meine Ausbildung. Die Abende an denen es blutet, meine Haut und mein Herz. Jeden Tag dieses "Mir geht es gut, ich bin nur müde." spielen macht ... Ich weiß es nicht. Vielleicht kann man es mit Leere beschreiben. Vielleicht werde ich nie Auto fahren dürfen, hör auf davon zu reden, dass ich dein Auto kaufen werde. Du weißt nicht ob ich es so weit schaffe. Nein, falsch. Ich weiß es nicht. Abends schlafe ich ein und hoffe, dass ich nicht aufwache. Dass ich für immer schlafe. 

Und jetzt gehst du raus, fährst weg, mit deinem Auto. Zigaretten kaufen. Deine Stimme ist traurig, deine Augen sind leer. Ich hab Angst, immer wenn du am Abend weggehst. Um dich, um mich.

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